Erotik-PR: Wie funktioniert Öffentlichkeitsarbeit für Sextoys?

PR Agentur Hamburg – Industrie-Contact AG
Erotik-PR: Wie funktioniert Öffentlichkeitsarbeit für Sextoys?

Internationale Erotik-PR-Kampagne – Herausforderungen für die Agentur

Die erste Anfrage nach Unterstützung im Bereich Erotik-PR flatterte Mitte der 2000er ins Haus. Die Reaktionen unter den KollegInnen reichten von „Aaah… was für ein spannendes Thema“ bis „Oh Gott… das geht doch gar nicht“. Nun ja, der Etat ging damals an einen Mitbewerber und wir mussten den internen Konflikt nicht weiter austragen.

Zehn Jahre später war die Offenheit unter den KollegInnen deutlich größer – wir übernahmen die PR für Sextoys der besonderen Art für Frauen sowie für Paartoys. Die noch recht junge Marke sollte bekannter werden. Eine Endverbraucher-PR-Kampagne war in Deutschland, Großbritannien und Frankreich geplant mit dem Schwerpunkt Lifestyle-Medien. Hierbei arbeiteten wir jeweils mit unseren ortsansässigen Partneragenturen aus dem PRGN-Netzwerk zusammen.

 

Erotik-PR erfordert Sensibilität

In unzähligen Gesprächen mit RedakteurInnen und BloggerInnen war die persönliche Meinung zu Sextoys und Selbstbefriedigung vielfach äußerst positiv und die Aufgeschlossenheit gegenüber erotischen Themen sehr groß. Doch nicht jede Chefredaktion teilte diese Offenheit. Und Blogger unterliegen am Ende meist sehr stark den Wünschen und Bedürfnissen ihrer Follower. Zudem fehlte eine große Geschichte hinter den Toys. Weder wurden sie im Hobbykeller entwickelt, noch sind sie Zufallsprodukt einer lustigen oder skurrilen Situation. Sie sind Ergebnis eines intensiven Produktentwicklungsprozesses.

 

Let’s talk about Sex

Wie also erzielt man Veröffentlichungen für die Marke? Mit Leichtigkeit und einem Augenzwinkern, mit Aktualität und Saisonalität und dazu möglichst aussagekräftige Zahlen und Daten. Teilweise bietet sich auch Regionalität an. Denn die sexuellen Vorlieben sind nicht nur im Ländervergleich unterschiedlich, sondern auch in den einzelnen Bundesländern. Den größten Erfolg unserer Erotik-PR-Kampagne brachten persönliche Gespräche und direkter Austausch. Denn diese Toys machen Spaß! Das Design ist jung, elegant, sehr ansprechend und gleichzeitig besonders funktional. Und die Toys sind erschwinglich!

 

Jede Agentur mit eigenem Länder-Event

Gleich zu Beginn der Kampagne präsentierten wir die Toys in Deutschland auf einem markenübergreifenden Lifestyle-Presse-Event und veranstalteten eine Blogger-Beach-Party mit Eve Champagne am Hamburger Hafen. Für die Medien in Großbritannien gab es einen Sexual Wellness-Talk mit Expertin in London. Die Kollegen in Frankreich luden zu einem Cocktailabend mit Sexologe und anschließender Hotelübernachtung in Paris ein.

In den weiteren Monaten wurden viele Einzelgespräche mit RedakteurInnen und BloggerInnen geführt. Immer gab es für unsere Gesprächspartner eine kleine Auswahl an Toys für den Selbsttest oder zur Weitergabe innerhalb der Redaktion. Denn gerade bei diesem Thema ist es wichtig, die Produkte einmal in die Hand zu nehmen, das Material zu fühlen, sich einen Eindruck von der Funktionalität zu verschaffen und das Toy nach Lust und Laune auch einmal zu testen. So auch das ganz klare Feedback unserer GesprächspartnerInnen. Und immer gab es andere Fragen. Jede Redaktion hat einen anderen Fokus, einen eigenen thematischen Überbau, unterschiedliche Zielgruppen und redaktionelle Ausrichtung. Um alle Interessierten grundsätzlich auf dem Laufenden zu halten, gab es klassische Pressemailings zur Einführung neuer Modelle sowie mit saisonalem Bezug und thematischem Aufhänger. Außerdem setzten wir auf Kooperationen, sowohl mit BloggerInnen als auch mit verschiedenen Medien.

 

Sex, Lovetoys oder Selbstbefriedigung – kein Tabu mehr

Insgesamt ist Erotik-PR äußerst spannend. Das Thema, auch wenn kein wirkliches Tabu mehr, ist nach wie vor oft etwas heikel. Ein Pflaster, einen Nagellack oder eine Handtasche kann man gut finden oder auch nicht. Aber Themen wie Sexualität, Selbstbefriedigung oder Lovetoys sind für viele weitaus sensibler und komplexer. Auch RedakteurInnen haben dazu ihre individuellen Erfahrungen, Vorstellungen und Befindlichkeiten. Jedes Gespräch, jeder einzelne Kontakt ist immer eine kleine Herausforderung und zugleich jedes Mal sehr spannend.

Selbst der Weg mit Sextoy in die Redaktion kann unerwartet aufregend werden – wenn man mit einem Köfferchen voller Toys durch die Flughafenkontrolle will. Immerhin kann ein solches „Spielzeug“ ab einer gewissen Größe auch als Waffe betrachtet werden, je nach Gepäckbestimmungen der einzelnen Fluggesellschaften. So kam nach dem Durchleuchten des Handgepäcks auch die höfliche Bitte des Sicherheitsbeamten, doch kurz mit auf die Seite zu kommen. Die Toys, die wir an diesem Tag im Gepäck hatten, sahen auf dem Bildschirm allen Ernstes wie kleine Raketen aus! Selbst nach Öffnen des Gepäcks hat der nette Herr älteren Semesters nicht gleich erkannt, worum es sich handelt. Auf einen Sprengstoff-Schnelltest wollte er lieber nicht verzichten. Seine beiden jüngeren Kollegen an den Bändern links und rechts dagegen konnten sich ein freches Grinsen nicht verkneifen. Nach diesem kleinen Zwischenfall war natürlich klar, dass wir das Reisen mit Sextoys in einer Pressemitteilung thematisieren mussten. Das Feedback aus den Redaktionen war super.

 

Von Storytelling und Kundenwünschen

Ein Sextoy ist kein Lippenstift und keine Kaffeemaschine. Wenn auf längere Sicht nicht nur kurze Produktvorstellungen gewünscht sind, sollte man ein passendes Thema besetzen und mit möglichst viel Expertise in diesem Bereich aufwarten. Bei einem Sextoy für Frauen bieten sich zahllose Themen an. Die eigenen Recherchen im Rahmen der PR-Kampagne haben uns nicht nur einmal vor Augen geführt, wie viele offene Fragen es tatsächlich noch gibt rund um die weibliche Sexualität, die Selbstbestimmtheit von Frauen oder zum Umgang mit dem eigenen Körper. Bei tiefergehenden Themen können Anbieter von Sextoys sehr gut auf einen externen Agenturpartner setzen und in einer längerfristig angelegten Kooperation die Schwerpunkte der eigenen Kampagne herausarbeiten. Und nicht zuletzt erfordert es auch seitens des Kunden eine gewisse Offenheit und Beratungsbereitschaft. Die Strategien und Maßnahmen einer Erotik-PR-Kampagne sind doch etwas spezieller und letztlich auch aufregender als für Lippenstifte und Kaffeemaschinen.

 

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